Hintergrund
GARTENKUNST
Prächtig gebändigte Natur
Steht die Natur in schönster Blüte, schwärmen Gartenfreunde in die von Menschenhand geschaffenen Paradiese aus. A&W-Sinnesexpertin Marion Vorbeck stellt historische Kunst am Grün vor.
Sogar die Wüste blüht, wenn der Mensch es will. Das bewiesen schon vor dreitausend Jahren ägyptische Gärtner, wie Samen und Wandmalereien in zahlreichen Grabstätten belegen. Kräuter, Feigen, Granatapfel oder Akazien ihre Ur-Gärten dienten vor allem der Versorgung mit Früchten und Kräutern – bald jedoch entdeckten sie Ästheten als Hort der reinen Erbauung. Noch heute sind zahlreiche, jahrhundertealte Gärten erhalten, die beim Schlendern durchs Grün im hyperbeschleunigten 21. Jahrhundert die Zeit vergessen lassen und unsere Phantasie anregen.
Das Vergnügen lohnt die Eintrittspreise allemal, etwa in den Florentiner Boboli-Gärten, die sich die Medici zu ihrem Hauptsitz Palazzo Pitti schaffen ließen. Die Boboli- Gärten zählen zu den bekanntesten Anlagen des 16. Jahrhunderts und sind mit ihren abwechslungsreichen Treppenanlagen zum Palazzo hin unverwechselbar. Geometrisch angelegt, erfreut der Garten den Flanierenden immer wieder aufs Neue durch Statuen und Brunnen, durch verschiedene Kompartimente mit Gartentempeln und Grotten, akkurat beschnittenen Hecken, Bäumen und Beeteinfassungen. Ein weiteres, gut erhaltenes Beispiel eines barocken italienischen Gartens ist die im Lago Maggiore gelegene Isola Bella. Hier erbaute die Familie Borromeo Mitte des 17. Jahrhunderts eine Gartenanlage mit zehn gestaffelten Terrassen, die durch ihre üppige Blütenpracht bezaubern.
Immer auch war die prächtig gebändigte Natur von Gärten und Parks ein Instrument, um Reichtum und Macht, aber auch den exquisiten Geschmack absolutistischer Herrscher aufs Imposanteste zu demonstrieren: So wie er imstande war, über seine Untertanen zu gebieten, so ließ er hektarweise die Natur bändigen. Besonders eindrucksvoll demonstrieren dies die Anlagen des französischen Barock. Zu wahren Gesamtkunstwerken schwang sich die Gartenbaukunst zu Zeiten des Sonnenkönigs auf, wie es die Parks in Versailles oder von Vaux-le-Vicomte bei Paris beweisen.
Gartenbau-Stars wie André le Notre arbeiteten Hand in Hand mit den Architekten der Schlossbauten und sogar mit Stadtplanern. Die Residenzen von Versailles bis Mannheim oder Karlsruhe sind erst zusammen mit den Gartenanlagen ein kreatives Ganzes. Typisch für den Rationalismus des Barock und die Gärten seiner Zeit ist der Prunk, der komplett von Menschenhand geformt wurde – das war im Park von Schloss Belvedere in Wien nicht anders als in Schloss Schleißheim in München, im Barockgarten Großsedlitz bei Dresden oder im Park des Katharinenpalastes bei Sankt Petersburg. Symmetrische Anlagen und Sichtachsen erfreuen den Spaziergänger durch Einblicke in belebende Akzente wie Bassins, Kanäle oder Wasserspiele. Wildwuchs ist ein absolutes No Go: Geometrische Formen erwachsen aus Sträuchern, Hecken und Bäumen, Blumenbeete zu kunstvollen Ornamentformen.
Allen voran findige italienische Ingenieure ließen sich zum Divertimento der Gesellschaften Steigerungen zum Thema Wasser einfallen, erfreuten mit ihren Scherzen durch unvermittelt aufschießende Fontänen oder ließen Wasser Musik spielen. Wenige dieser Anlagen sind noch erhalten, fast vollständig kann sie noch in der Villa d’Este bei Tivoli mit seiner Wasserorgel besichtigt werden, oder auch die Wasserspiele Hellbrunn, die per Wasserkraft Vogelstimmen und Orgelpfeifen betreiben. Das von Wasser getriebene mechanische Theater besitzt hunderte bewegte Figuren, die ihre Zunge blecken oder mit den Augen rollen.
Ab 1750 wurde dann allerdings der Englische Landschaftsgarten en Vogue, da er den allseits herrschenden Geist der Empfindsamkeit optimal spiegelte. Nun sollte die Natur nicht mehr in geometrisch exakte Formen gezwungen werden – das Prinzip einer natürlichen Landschaft war jetzt Nummer Eins, wie etwa im von Friedrich Ludwig Sckell gestalteten Englischen Garten in München.
Wie in einem begehbaren Landschaftsgemälde sollten malerische, überraschende Eindrücke den Flanierenden erfreuen. Bäche und Wege schlängeln sich nun wie zufällig dahin, scheinbar natürliche Seen und Teiche, Tempelchen, Ruinen, Grotten oder Eremitagen bereichern die Komposition.
Als absoluten Clou stellte so manche Verwaltung einen professionelle Einsiedler zu Gaudium der Parkbesucher ein, einen so genannten Schmuck- oder Ziereremiten, dessen Job genauestens in einem Vertrag geregelt war. Hier stand, wann und wie oft er auf der Bildfläche zu erscheinen hatte – ein einträgliches und durchaus entspanntes Engagement bis ins 20. Jahrhundert.
A&W-DOKU
Beispiele für asiatische Gärten
- Garten des wiedergewonnenen Mondes in Berlin-Marzahn
- Chinesische Garten in Bochum
- Garten des Himmlischen Friedens in Frankfurt am Main
- Garten von Duft und Pracht in München
- Chinagarten Zürich
A&W-GEWINNSPIEL
Unter allen Einsendungen …
… unter dem Stichwort „Gartenfreuden“ verlosen wir anregenden Lesestoff. Das Teilnahmeformular finden Sie auf der A&W-Homepage unter www.auw.de/gewinnspiel. Einsendeschluss ist der 15. Juli 2011. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
1. Preis: Zwei Tages-Eintrittskarten zur Bundesgartenschau 2011 in Koblenz, die noch bis 16. Oktober 2011 geöffnet ist. Gemäß dem Slogan der Bundesgartenschau „Koblenz verwandelt“ finden in den eingezäunten Kernbereichen Kurfürstliches Schloss, Blumenhof und Festung Ehrenbreitstein Blumenschauen, Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Darüber hinaus werden die Uferpromenaden an Rhein und Mosel zu attraktiven Flaniermeilen umgestaltet.
2. bis 4. Preis: Richtig in Stimmung kommen Gartenfreunde bei der Lektüre von Lia Leendertz‘ reich bebildertem Buch „Gärten in der Abendstunde“ (Knesebeck Verlag, Wert je 29,95 Euro). Da die meisten Menschen meist erst am Abend Zeit haben, ihre Idylle zu genießen, gibt sie Tipps, wie man die passenden Pflanzenarrangements, Farben und Düfte fürs persönliche Feierabend-Paradies in der „Blauen Stunde“ wählt.
5. bis 9. Preis: „Mehr Paradies geht nicht“ verspricht der Callwey Verlag in seinem gleichnamigen, eben erst aktualisierten und erweiterten Garten- Reiseführer (Wert je 19,95 Euro). Der kundige Autor Ronald Clark, studierter Gartenbauer und Landschaftspfleger sowie Direktor der Herrenhäuser Gärten, stellt in dem umfangreichen Band 1.500 private und öffentliche Gärten und Parks in Deutschland vor und hat damit ein Standardwerk im Gartenbereich geschaffen.
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