Hintergrund

AYURVEDA

Harmonisches Plus auf der Habenseite

26.10.2011 –  

„Wenn wir verreisen, wollen wir ordentlich essen“, wehrte meine Umgebung die Idee einer Ayurveda-Kur ab. Gibt’s da wirklich nur Entsagung? A&W-Sinnesexpertin Marion Vorbeck probierte es mal auf die luxuriöse Tour.

Zunächst denkt erst mal an Indien, wer eine Ayurvedakur in der Ferne absolvieren will. Unbenommen – sicher gibt es im Ursprungsland der traditionellen Heilkunst exzellente Möglichkeiten. Doch so manch enttäuschte Urlauber- Bewertung zu überbevölkerten Stränden, Klinikcharme oder 08/15-Buffets verlangt nach Alternativen. Die Lösung: die Malediven. Hier, im nördlichen Baa Atoll bietet das Four Seasons at Landaa Giraavaru ein- bis dreiwöchige Kuren, die ausschließlich von Fachpersonal durchgeführt werden. Zugegeben: Kein Schnäppchen, aber renommierte Einrichtungen in Deutschland machen’s auch kaum günstiger.

Dafür wird mir als Revitalisierung und Genesung Suchender dort allerhand geboten: Muskeln und erstarrte Sinne lockernde Wärme bis in die Nacht hinein, unverschämt authentische Postkartenidylle aus türkisblauem Wasser und weißen Stränden, sanftem Wellengang und dem Gackern exotischer Vögel, ein überschaubares Eiland, auf dem man gar nicht anders kann, als die verordneten Wohltaten ungefiltert aufzunehmen. Krank bin ich nicht wirklich, fühle mich im Alltag nur immer schneller gestresst – auch ein Fall für Ayurveda, das traditionell auch der Vorsorge und dem Ausgleich seelischen Gleichgewichtes dient.

Los geht’s bei Dr. Shylesh Subramanya, dem Ayurveda-Arzt, der sein Handwerk in Bangalore gründlich studiert hat. Eine Woche vor Anreise hatte er mich per eMail um die Beantwortung eines Basis-Fragebogens gebeten. Nun führt er mich in Grundzüge und Philosophie der über 5.000 Jahre alten Heilkunst ein und lernt mich so ganz nebenbei kennen. Einige Fragen klären den Konstitutionstyp, das Dosha, denn: Störungen der körperlichen und seelischen Gesundheit verursachen Störungen von Vata, Pitta und Kapha im Körper, und die müssen wieder miteinander in Einklang gebracht werden. Feststellen lassen sich die Typen anhand zahlreicher Merkmale: Körperbau, Haut, Körpertemperatur, Appetit, Wärme- und Kältetoleranz, Temperament. Welcher Typ dominiert nun bei mir? Die Antwort entscheidet über Ernährung, die täglichen Behandlungen, welche Übungen mein Yoga-Unterricht umfasst.

Für meinen Speiseplan bedeutet dies: mehr süsse Lebensmittel wie Mango, Papaya, Banane oder Honig, Karotten, Kürbis, grüne Bohnen, aber auch Körner, Bitteres sowie Adstringierendes wie Broccoli, Spargel und Auberginen. Was mich die kommenden Tage im Blu Sunset Restaurant, im Fuego Grill, im Café Landaa oder im Restaurant Al Barakat erwartet, schmeckt zwar manchmal ungewohnt, aber immer köstlich. Etwa Spinatsalat mit Lemongras und Ingwer-Dressing oder raffinert zubereitete Kohlrouladen mit Aubergine und Tofu-Füllung samt cremiger Zwiebelsauce, knackige Salate, sogar auf Nachspeisen mit Reispudding, Pudding oder Crumbles mit viel Obst braucht keiner verzichten. Die verordnete Regelmäßigkeit tut gut – trägt etwa sie zum steigenden Lässigkeits-Pegel schon nach drei Tagen bei?

Nicht nur. Einmal am Tag eine ausgiebige Massage – wann werden einem schon so viele Wohltaten geballt zuteil? Fast jede Behandlung beginnt mit einer Kopf- und Nackenbehandlung, danach eine Vierhandmassage, das sogenannte „Abhyanga“ mit dem doshakompatiblen Öl: Zwei Masseure bearbeiten den Patienten synchron von Kopf bis Fuß. Als Krönung aller ayurvedischen Anwendungen gilt der Stirnguss „Shirodhara“, während dessen permanent ein dünner warmer Ölstrom auf das „dritte Auge“ in der Mitte der Stirn bis übers Haar läuft. Die Folge: tiefe Entspannung, sogar Schlafstörungen lösen sich auf. Ungewohnt und eine Wohltat fürs Knochengerüst und für die Haut ist die Stempelmassage Elakkizhi mit Zutaten aus dem eigenen Kräutergarten; im Stempel für Navarakkizhi sorgt Navara-Reis, der mit Kräutern und Milch gekocht wurde, für starke Muskeln und Nerven.

Wer nicht gleich eine Kur machen will, sondern sich nur typgerecht ernähren: Jeder Hotelgast kann bei Dr. Shylesh sein Dosha bestimmen lassen und typgerecht etwa im Restaurant Al Barakat oder im Blue Sunset bestellen. Möglich machen dies drei Symbole, die jeweils für Pitta, Vata und Kapha stehen und die jedem Gericht vorangefügt sind.

Mein absoluter Favorit ist jedoch eine Art Ölbad, eine glitschige Angelegenheit namens „Sarvangadhara“. Dazu klettere ich auf eine mit Rändern versehene Holzliege, von der Flüssigkeit durch eine Öffnung am Fußende ablaufen kann. Zwei Therapeuten gießen nun beständig warmes Öl über meinen Körper und massieren diesen gleichzeitig. Schnell kommt mir jegliches Zeitgefühl abhanden, lasse ich mich wohlig-öligwarm treiben. Wenn dies das Tor zum Nirvana wäre – es würde mich nicht wundern.

„Und? Hat‘s was gebracht?“ Gar nicht leicht, daheim zu schildern, was von der Ayurveda-Schnupperkur geblieben ist: Erstens: Anscheinend haben sich meine drei Doshas – bis auf Weiteres – miteinander versöhnt. Kein Urlaub hat mir bisher ein solches Maß an Gelassenheit und Stärke beschert. Zweiter höchst erfreulicher Effekt: Gewebe und Muskulatur sind sichtbar gestrafft, was gleich noch mehr Strahlkraft verleiht. Drittens: Solche Ergebnisse in nur einer Woche sind verblüffend – ich will da ganz schnell wieder hin. Fazit: Vor Risiken und Nebenwirkungen sei gewarnt – Suchtgefahr!

A&W-DOKU

Kontaktadressen

  • Four Seasons Resort Maldives at Landaa Giraavaru, Baa Atoll, Malediven, Telefon: 00960 6600888, Fax 00960 6600800;
  • Four Seasons Maldives at Kuda Huraa, Nord Male Atoll, Malediven, Telefon: 00960 6644888, Fax 00960 6644800;
  • Four Seasons Explorer; alle unter www.fourseasons.com/maldives. Airtours bietet Arrangements mit den beiden Four-Seasons-Hotels auf den Malediven und dem Four Seasons Explorer sowie Flug mit Emirates und Transfers unter www.airtours.de an.



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