Hintergrund

HONORARPOLITIK

Magere Zuwachsrate

Warum darf‘s nicht ein bisschen mehr sein?

27.12.2011 –  

Die Stimmung zum Jahreswechsel 2011/2012 ist schlecht. Viele Hausärzte blicken sorgenvoll in die Zukunft. Was die nächstes Jahr im KV-System erwartet und was nicht, hat A&W-Autor Andreas Stark für Sie analysiert.

Die wirtschaftliche Situation der Niedergelassenen ist weit schlechter als die gesamtwirtschaftliche Lage. Die Wirtschaft brummt und die Krankenkassen schwimmen im Geld. Dennoch beharrt Berlin auf einem strikten Sparkurs. Also bleibt die Begrenzung der Gesamtvergütung 2012 unverändert. Die Wachstumsrate liegt mit plus 1,25 Prozent auf die Gesamtvergütung des Jahres 2011 deutlich unter der Inflationsrate. Diese magere Zuwachsrate ist gerade für die KVen ein harter Schlag, die schon 2011 im Rahmen der Konvergenzregelung eine Kürzung der Veränderungsrate hinnehmen mussten.

Am 1. Januar 2012 startet die „Re-Regionalisierung“ der Vertragsverhandlungen. Die KVen stehen bei ihren Mitgliedern unter verstärkter Beobachtung. Bei den Regelungen zur Honorarverteilung sind die KVen nun nicht mehr auf die Zustimmung der Krankenkassen angewiesen. Die KVen sind auch nicht mehr verpflichtet, zur Mengensteuerung fachgruppenspezifische Regelleistungsvolumen vorzusehen. Die Umsetzung des neuen Gesetzes wird sich aber noch hinziehen. Die Vertragsärzte müssen wohl noch bis Ende 2012 mit diesem umstrittenen Verfahren (über-)leben. Ob mit der neuen Vergütungssystematik die „Verteilungsgerechtigkeit“ steigt, bleibt abzuwarten. Die akute Frage ist, ob es im nächsten Jahr überhaupt etwas zum Verteilen gibt. Erfreulich: Die Hausärzte können auf jeden Fall sicher sein, dass ihr spezifisches Budget nicht angetastet werden darf.

Schon am 1. Januar 2012 fällt die Ausgabenbegrenzung extrabudgetärer Leistungen. Damit wird das ambulante Operieren durch Niedergelassene gefördert. Die KVen können mit den Krankenkassen jetzt über regionale Preiszuschläge auf den Orientierungspunktwert (3,5048 Cent) verhandeln. Hierzu zählen nach dem Gesetzentwurf der Bundesregierung Zuschläge für (besonders) förderungswürdige Leistungen und Leistungserbringer (etwa Verbesserung der Hausbesuchstätigkeit) insbesondere in unterversorgten Gebieten. Bei der Umsetzung dieser Regelung wird sich in der Praxis erweisen, ob und in welchem Umfang die Kassen bereit sind, finanzielle Beiträge zur flächendeckenden Sicherstellung der Versorgung zu leisten und bei der Vergütung in Richtung bessere Qualitätsorientierung zu gehen.

A&W-KOMPAKT

Nach jüngsten …
… Ärztebefragungen bewerten nur 21,1 Prozent der Mediziner ihre wirtschaftliche Situation positiv. Mehr als die Hälfte (55,9 %) sind gerade mal zufrieden und 23 Prozent beschreiben ihre Lage als „schlecht“. Die Ärzte blicken skeptisch in die Zukunft. Nur 10,6 Prozent der Ärzte geht mit positiven Erwartungen in das neue Jahr.



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