Hintergrund

PFLEGEREFORM

Hier sind Sie künftig stärker gefordert!

Rund die Hälfte der Hausärzte vermeidet im Patientengespräch den Begriff „Demenz“.

05.01.2012 –  

Die Diagnose und unterstützende Behandlung von Demenzpatienten werden für die Hausarztpraxen künftig eine große Herausforderung. Was dabei besonders wichtig wird, erläutert A&W-Autor Peter Leveringhaus.

Patienten mit Demenzerkrankungen werden die Hausärzte künftig viel stärker beschäftigen als heute. Gegenwärtig sind rund 1,2 Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen, bis zum Jahr 2050 werden es in Deutschland voraussichtlich über 2,6 Millionen sein. Hausärzte sind erster Ansprechpartner für Betroffene und Angehörige. Nur: bei der ersten Diagnose hapert es oft. Sie wird oft zu spät oder gar nicht gestellt – sagt der Präsident der deutschen Alterspsychiater, Prof. Dr. Hans Gutzmann.

Grund dafür ist mitunter auch eine fehlende medizinische Weiterbildung der Hausärzte, aber eben nicht nur. Der Allgemeinmediziner Prof. Dr. Hendrik van den Bussche vom Uni-Klinikum Hamburg- Eppendorf betont, „dass viele Mediziner das Thema Demenz tabuisieren“. Der Hamburger hat mit Kollegen und der Alzheimer Gesellschaft ein Fortbildungsprogramm speziell für Hausärzte und Pflegekräfte entwickelt, das diesen den Umgang mit Demenzpatienten erleichtern soll.

Bei einer Befragung von Hausärzten zeigte sich, dass rund die Hälfte im Gespräch über Demenz diesen Begriff oder den Terminus „Alzheimer“ gegenüber den Betroffenen vermeidet – auch wenn sie die Patienten früh aufklären wollen. Und: Rund 70 Prozent informieren die Angehörigen genauer als die Patienten.

Warum tabuisieren viele Ärzte das Thema? Van den Bussche folgert, dass sich viele Hausärzte bei der Diagnose unsicher fühlen oder Unverständnis bei den Patienten befürchten. Andere wiederum wollen Konflikte vermeiden oder die Patienten nicht verunsichern, ihnen das mit der Diagnose verbundene Leid und Depression ersparen. Doch das sei kontraproduktiv: „Dieses Tabu verhindert oftmals, dass die Patienten rechtzeitig versorgt werden und die Angehörigen die bestmögliche Unterstützung erhalten“, folgert van den Bussche. Das von ihm entwickelte Konzept umfasst eine zweitägige Fortbildung mit Vorträgen, praktischen Übungen wie etwa Rollenspielen. Es gibt Infos zur Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen und es geht um die Frage: Wie gehe ich mit diesen Patienten am besten um und wie kommuniziere ich mit ihnen? Auch um die Angehörigen geht es dabei, denn sie können dem Arzt oft Tipps geben, bemerken als erste bei ihren Verwandten ein verändertes Verhalten oder eine abnehmende geistige Leistungsfähigkeit.

Und an genau dieser Stelle müsste in der Honorarordnung nachgebessert werden, sagt der Bremer Hausarzt und Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IHF), Dr. Hans-Michael Mühlenfeld: „Die hausärztlichen Leistungen im Bereich Demenz sind zum Teil im geriatrischen Basis-Assessment angemessen abgebildet. Was fehlt, ist die Möglichkeit, Gespräche mit Angehörigen und die Koordination der Versorgung der Demenzkranken durch die Hausarztpraxis abzurechnen, also Gespräche mit Pflegediensten/Angehörigen über die notwendige Versorgung des Patienten“, sagt Mühlenfeld auf Anfrage von ARZT & WIRTSCHAFT. Er verweist etwa auf die Kinderärzte, die Gespräche mit den Eltern über die psychosomatische Ziffer abrechnen können.



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