Hintergrund

MEDIKAMENTENFÄLSCHUNGEN

Schützen Sie Ihre Patienten. Und sich!

Medikamentenkäufe im Internet sind oft riskant.

07.02.2012 –  

Vorsicht vor gefälschten Medikamenten. Sie können die Behandlung Ihrer Patienten gefährden und indirekt sogar das Budget Ihrer Praxis schmälern, warnt A&W-Redakteur Peter Leveringhaus.

Jedes zweite im Internet gekaufte Medikament ist laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen gefälscht. Alles weit weg, betrifft mich nicht, denken da viele Ärzte. Schön wär`s! Allein rund zehn Millionen gefälschte Tabletten hat der deutsche Zoll im vergangenen Jahr sichergestellt – fast doppelt so viel wie noch 2009. Und es sind eben mitunter auch die eigenen Patienten, die per Mausklick im worldwide Web allerlei Präparate bestellen, die nur vermeintlich helfen: nicht nur gegen erektile Dysfunktion, auch gegen hohes Cholesterin, Hypertonie, Depressionen, rheumatische Arthritis. Und selbst Krebspräparate werden im Internet erworben und in Selbstmedikation eingenommen.

Experten warnen, zuletzt auf dem Informationsforum Arzneimittelfälschungen in Berlin: Gefälschte Präparate können entweder keinen, zu wenig, zu viel oder den falschen Wirkstoff enthalten – mit allen negativen Folgen für die Patientengesundheit und die Therapie. Beispiel: Einem Patient mit Angina pectoris wurden Nitrat-haltige Präparate verordnet, doch er besorgt sich online auch ein Präparat gegen erektile Dysfunktion: Beide Mittel parallel eingenommen – lebensbedrohlich. Ebenso können etwa von Schmerzpatienten nebenher erworbene Präparate den Behandlungserfolg teilweise oder ganz gefährden. Finden Sie dies irgendwann bei einem Patienten heraus, haben Sie womöglich schon viele Präparate zu Lasten Ihres Arzneimittelbudgets verordnet, ohne entsprechenden therapeutischen Erfolg zu haben.

Ebenso kann vorkommen, dass die fraglichen Arzneimittel die falschen pharmazeutischen Bestandteile enthalten, so wie bei einem vermeintlichen Cholesterinsenker, der 2005 erstmals in Großbritannien auftauchte. Das Problem: Ohne Kenntnis über die erworbenen falschen Medikamente vermutet man bei einem mit einem Statin behandelten Patienten, er spreche auf die Behandlung nicht ausreichend an und erhöht die Dosierung. Die Analyse im konkreten Fall ergab aber, dass die Tabletten ein falsches Statin enthielten.

Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Gefährdungen, die allein von den Inhaltsstoffen gefälschter Produkte ausgehen. Laut Pfizer wurden in gefälschten Medikamenten statt pharmazeutischer Wirkstoffe etwa Talkumpuder, Bohnerwachs oder auch Straßenfarbe gefunden. „Wir raten dringend davon ab, rezeptpflichtige Arzneimittel im Internet zu erwerben, wenn kein Rezept verlangt wird“, sagt Hans-Joachim Mill, Director Pfizer Global Security. Diese Botschaft müssten die niedergelassenen Ärzte ihren Patienten unbedingt vermitteln, sagt der Präsident des Bundes der Internisten, Wolfgang Wesiack.

A&W-TIPP

Informieren Sie…
… Ihre Patienten unbedingt über die Risiken gefälschter Medikamente aus dem Internet. Zwar gibt es Listen über geprüfte Versandapotheken, doch es ist umstritten, ob solche Zertifizierungen im Internt selber fälschungssicher sind. Machen Sie den Patienten klar, dass sie auch bei Medikamenten ihrem behandelnden Arzt vertrauen sollten.



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